Was ist das faszinierende an wertvollen Uhren?
Die Faszination des Tickens
Als etwa im 3. Jahrtausend die Sonnenuhr erfunden wurde, um
den Tag in mehrere Zeiteinheiten einzuteilen und somit Handelsverabredungen
zu vorher bestimmten und konkreten Zeitpunkten möglich
wurden, erfüllte die Uhr an sich lediglich eine Zweckfunktion.
In der heutigen Zeit allerdings, sind Uhren für viele
weit mehr als reine Zeitmesser und so können Uhrenliebhaber
und -sammler mittlerweile oft Dutzende an wertvollen Exemplaren
ihr Eigen nennen. Dafür sind sie dann auch bereit, sich
von so manch kleinerem Vermögen zu trennen. Doch was
genau ist es eigentlich, was in uns die Faszination an der
wertvollen Uhr auslöst?
Wanduhren, Pendeluhren, Taschenuhren, Armbanduhren - es gibt
sie in mannigfacher Ausgestaltung; und doch sind Uhren für
den einen lediglich nervende Zeitticker, welche die beunruhigende
Eigenschaft besitzen, permanent an noch zu erledigende Aufgaben
und spätere Termine zu erinnern. Im Lebensrhythmus der
Gegenwart, der bekanntlich von Stress und Hektik bestimmt
wird, ist es jedoch genau der Aspekt von Gleichförmigkeit
und einer Form von Ruhe, den der andere wiederum in den faszinierenden
Zeitmaschinen wiederzufinden vermag.
Das gleichmäßige Hopsen des Sekundenzeigers im
Akkord mit dem Minutenzeiger auf dem Ziffernblatt einer Armbanduhr,
das schwingende Pendel einer massiven Wanduhr, die verschiedenen
Gongschläge zu halben und vollen Stunden - all dies kann
im Betrachter ein Gefühl von Gelassenheit und Entspannung
auslösen, welches sich nach innen hin auswirkt und für
einen klaren Kopf sorgt. Man könnte diesen Effekt auch
als einen Moment des Stillstands der äußeren Gegebenheiten
bezeichnen. Ein Stagnieren des sogenannten „Zeitflusses“,
was nach ungeschriebenen Gesetzlichkeiten unmöglich wäre.
Die Frage nach dem Wesen der Zeit ist eine zentrale Frage
und zudem eine der ältesten der Philosophie. Für
einige Physiker und Philosophen ist Zeit eine Illusion und
entzieht sich als subjektives Phänomen jeglicher Erklärung.
- Wie auch immer man dem entgegensieht, für den Uhrenfreund
kann der Anblick einer Uhr der Sehnsucht nach dem kurzen „Moment
für sich“ Genüge leisten.
Weniger abstrakt betrachtet, tragen Uhren jeglicher Art auch
immer ein Stück Geschichte in und mit sich. Je nach Alter
ruft eine Uhr unweigerlich Erinnerungen und Assoziationen
persönlicher oder allgemeinhistorischer Art hervor. Ganz
gleich, ob guter oder schlechter Art, die persönliche
Wertschätzung steigt dadurch nur weiter an. Antike Uhren
zeichnen Bilder über Tradition und Kultur oder geben
Aufschluss über technische Entwicklungen und die allmähliche
Modernisierung des Lebens.
Auch die Kombination aus optischer Ästhetik und dem beeindruckend
verästelten Innenleben einer Uhr ist es, was den besonderen
Reiz ausmacht: das intelligente mechanische Zusammenwirken
von Zahnrädchen, Schrauben, und Federn im Gehäuse
und der dementsprechende „Triumph“, wenn man es
schafft, diese Komplexität des Herzstücks einer
Uhr wieder zum Laufen zu bringen.
Für
einige ist es demnach letztlich das ruhende Kontinuum, die
Beständigkeit der Zeit und der Erinnerungen in Verbindung
mit dem fast schon rituellen Akt des Aufziehens; für
andere ist es die Synthese von Optik und Technik, die für
moderne Entwicklung steht; für wieder andere ist es nur
die persönliche Wertschätzung, welche die Uhr zum
Sammlerstück par excellence macht. Worauf die Faszination
am Ende auch immer begründet sein mag, das Schöne
ist, dass Uhren egal welchen Alters, ihren Wert nie verlieren,
sondern nur steigern können. Denn Zeit bleibt immer aktuell.